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St. Antonius

Um 1880 war für die Gemeinde eine erste, neugotische Kirche erbaut worden, welche 1944 durch Bomben völlig zertrümmert wurde. Lediglich der Turm blieb schwer beschädigt erhalten und wurde erst 1972 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Aus einem Wettbewerb für den Neubau der Pfarrkirche an der Berliner Straße ging 1956 Rudolf Schwarz hervor. In seinem Entwurf ging er vor allem auf die städtebauliche Situation zwischen hoher und geschlossener Miethausbebauung ein.

Äußerlich lässt sich der moderne Kirchenbau als Kubus mit zwei tief ausgeklinkten oberen Ecken beschreiben, den ein engmaschiges Stahlbetonskelett in einfachsten Proportionen strukturiert. Im unteren Viertel blieb die quadratische Grundform erhalten. So ergibt sich ein T-förmiger, basilikaler Hauptraum mit Langhaus und Querschiff ohne eigenes Chorhaus.

Der T-förmige Innenraum erlaubt es den Gläubigen nicht nur im Mittelschiff vor dem Altar zu sitzen, sondern auch rechts und links in den Querschiffen: Die Gläubigen versammeln sich um den Tisch des Herrn. Damit wiederholte der Architekt eine von ihm bevorzugte Gebäudeform, in deren drei Armen die Gemeinde den zentralen Altarbereich umsteht.
(Quelle: Heinz Dohmen/Eckahard Sons: Kirchen, Kapellen, Synagogen in Essen, Essen 1998, S. 59-60.)

Die Seitenschiffe sind sehr niedrig und, wie die ganze untere Zone der Kirche, fensterlos. Darüber erheben sich die vielfach durchbrochenen Oberwände mit Glasmalereien aus der Schule Georg Meistermanns.
Die Fenster in den Seiten sind in hellen durchscheinenden Farben gehalten. Nur die Fenster auf der Stirnseite haben zusätzliche Symbolkraft. Während im Westen die Farben der Nacht, Dunkelblau, Grau und Schwarz überwiegen, stehen ihnen im Osten die Farben des Morgens, Rot und Violett gegenüber. Schwarz selbst: "Das architektonische Thema des Baues ist der begehbare Kristall. Der lichte Bestandteil schwebt über dem dunklen und lässt sich dann zu diesem herab."

Die besonderen Orte des Kirchraumes, Taufbereich, Marienaltar, Ort der Beichte und der Altarraum sind durch eigene Lichthäuser und/oder steinerne Teppiche hervorgehoben.

Die Austattung der Kirche wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder behutsam angepasst. Besonders durch die Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils waren Veränderungen notwendig geworden. So wurde der Tabernakel vom Altar an seinen heutigen Platz im rechten Bereich des Altarraumes umgesetzt. Fritz Brencher aus der Gemeinde schuf aus Kupfer das große Altarkreuz, das Taufbecken und ein Lesepult.

Anfang der 1980er Jahre wurde die Altarwand neu gestaltet. Durch die Textilarbeit "Wir gehen zum Kreuz" der Essener Künstlerin Grete Badenheuer wurde eine Verbindung zwischen Altar und Kreuz geschaffen. Die Antoniusfigur sowie der Kreuzweg wurden von Theodor Hullmann, ebenfalls aus der Gemeinde, gestaltet.

Am 12.12.1985 wurde die Kirche in die Denkmalliste der Stadt Essen aufgenommen. Zur Begründung heißt es dort: "Die Kirche St. Antonius stellt ein Dokument für die Spätzeit der klassischen Moderne dar und hat deshalb Bedeutung für die Architekturgeschichte. Da die Kirche gestalterische Qualität aufweist, liegt ihre Erhaltung und Nutzung aus wissenschaftlichen, insbesondere architekturgeschichtlichen und künstlerischen Gründen im öffentlichen Interesse. Sehenswert ist nicht nur die Architektur, sondern auch die von Schwarz entworfene Ausstattung."